Einmal Werbung bitte: aronia+ und das Geheimnis der “Indianer”

Aronia ist ja aktuell sehr hip als Frucht und sowieso. Und Früchte sind ja bekanntlich recht gesund, sollte man ab und an mal essen, wegen Vitamin C und weil Schokolade einfach fetter macht als so ne Erdbeere. Aber dass die Lifestyle/Health-Industrie deshalb immer wieder davon ausgeht, dass diese Früchte – je exotischer desto besser – plötzlich homöopathisch anmutende Wunderkräfte haben, ist immer wieder erstaunlich. Noch erstaunlicher ist jedoch, wenn daraus Werbung wird, die nicht nur nicht stimmt, sondern auch noch 20 Jahre zu spät kommt, weil Political Correctness und so.

Fangen wir mit der Prämisse an. Welches Arschloch geht denn bitte mit ner tierischen Erkältung zur Arbeit und niest da in die Hand (Leute, in die Armbeuge niesen, dann schmiert’s den Kram nicht überall hin) und dann auch noch auf die Kollegen!? Würde man den Kollegenschweinen wirklich noch so ein wirkungsloses und sicher teures Placebozeugs mit Zucker und Aronia anbieten? Naja, wahrscheinlich schon, weil es eh nicht hilft und man wünscht, dass es schlimmer wird, so dass sie endlich zuhause bleiben müssen.

Dann aber plötzlich ein deutsches Model in ein 12€ teures “Indianer”-Kostüm aus der guten alten “Das wird man ja wohl noch tragen dürfen”-Faschingsabteilung in leider immer noch jedem Kaufhaus zu stecken, um dann zu behaupten, dass die “Indianer” (dat heißt “amerikanische Ureinwohner”, Ihr Dödel) das schon hatten und deshalb immer so gesund waren, obwohl nachgewiesen ist, dass amerikanische Ureinwohner merkwürdigerweise zig Mal anfälliger für Erkältungen sind als der gute alte weiße Mann aus Europa samt Nachfahren, das ist ist dann schon sehr dreist.

Und wo wir schon mal dabei sind: was ist eigentlich “oxidativer Stress”? Den Begriff gibt es zwar auf Wikipedia, aber komischerweise steht da auch das: “Trotz zahlreicher Korrelationen von oxidativem Stress mit verschiedenen Krankheitszuständen konnte noch kein gesicherter Zusammenhang bewiesen werden.” Entsprechend dann auch, übrigens, keine Therapie. Selbst mit Aronia+ nicht. Wie gut, dass auch Kinder davon (nicht) profitieren können.

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2 thoughts on “Einmal Werbung bitte: aronia+ und das Geheimnis der “Indianer”

  1. Alles sehr schön beobachtet, und auch das mit dem Indiearmbeugeniesen ergibt unbestreitbar Sinn, ABER meine Hände kann ich waschen, und am Ärmel hab ich dann hinterher Schnodderflecken…
    #tutmirjaleidaberisdochnumalso

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    1. Wobei der Typ, der sich in die Faust genießt hat, danach sicher weitergetippt hat. Mal ehrlich, wie oft waschen sich die IndieHandNiesKollegen denn danach die Hände? #sindhaltdiemeisteneklig Das mit den Schnodderflecken ist natürlich blöd, dass die Modeindustrie da noch nichts cleveres erfunden hat (so statt Ellenbogenpatches so ein Armbeugenschwämmchen)

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