Christoph Sieber: Some people just want to watch the world burn

Christoph Sieber ist Kabarettist und hat sich aktuell in einem Video zur ganzen Trump-Sache geäußert. Das Ganze Clickbait-stilistisch mit der Überschrift: Warum ich froh bin, dass Donald Trump gewählt wurde.

(wer übrigens genug Muße hat, sich das Video ganz anzusehen, hier ein Fun Fact: die armen Arbeiter, “die kleinen Leute da unten”, die haben mehrheitlich Clinton gewählt. Auch so ne Sache, die ich an sowas ärgerlich finde – dass gerade an Fakten immer so viel Schwund ist im YouTube-Geschwafel. Aber das passt dann ja nicht mehr zu dem Solidaritätsgeschwurbel am Ende, das hier im folgenden Text ansonsten fast unerwähnt bleiben soll, weil ziemlich…grenzwertig)

In diesem Video erklärt Sieber nicht nur, dass Trump vs. Clinton so etwas wie Pest und Cholera war (wie oft denn noch: nein, und wer was anderes behauptet, hat sich diese Wahl aus einer sehr begrenzten Breitbart-gesponserten Schlüssellochperspektive angesehen), sondern auch, dass es gut ist, wenn es jetzt so richtig schlimm wird, weil man dann mal so richtig was dagegen tun kann. Diese Revolutionsromantik die gab es bereits vor der Wahl reichlich und auch ich muss zugeben, dass mein erster Gedanke beim Hören des Wahlergebnisses war: *bockig* “Na dann sollen sie doch jetzt mal mit dem Ergebnis leben und sehen, was draus wird. Dann ändern sie vielleicht alle mal ihre Meinung, JETZT wird ein Ruck durch die Welt gehen.”

Das Problem ist, dass “sie” nicht alle und nicht mal mehrheitlich Trump gewählt haben und dass diejenigen, die ihn nicht gewählt haben (und einige, die es getan haben), gar nicht den Luxus haben, zur Revolution aufzurufen, weil sie ganz andere Probleme haben werden. Ich freu mich ja, wenn so ein Dude im recolution-Sweatshirt (eco und Fair Trade-Mode im Streetwear-Look, Wahnsinn!) dasteht und sich freut, dass Trump gewonnen hat, während Trump schon jetzt versprochen hat, dass jegliches Klimaabkommen abgebrochen wird und die nicht erneuerbaren Rohstoffe wieder so richtig Konjunktur bekommen sollen. Wie groß muss denn das Facebook-Feature mit der Riesenschrift jetzt werden, dass man die Ironie, die darin liegt, adäquat ausdrücken kann?

Das Problem ist auch, dass diejenigen, die nicht wählen konnten, weil sie sogenannte “illegale Einwanderer” sind, ganz bestimmt nicht auf der Straße stehen und Sieber bejubeln, wenn sie als eine der ersten Amtshandlungen von Trump abgeschoben werden sollen (und zwar mitsamt ihrer in Amerika geborenen Kinder, wenn es nach ihm geht).

Sieber wird auch keinen Applaus von der schwarzen Bevölkerung Amerikas bekommen, wenn “stop & frisk” wieder eingeführt wird, was nachweislich dazu geführt hat, dass vorwiegend junge, schwarze Männer von der Polizei ohne Verdacht auf eine Straftat angehalten und wie Straftäter behandelt werden durften.

Und selbst die Frauen (Edit: zumindest die, die Clinton gewählt haben), werden ihn jetzt trotz des umweltfreundlichen und Fair-Tradigem Sweatshirts nicht so toll finden, weil sie ziemlich Angst haben, dass das Recht an ihrem eigenen Körper wieder genommen wird.

Am Ende freuen sich höchstens ein paar Dudes (und ein paar wenige Ladies, die gibt es ja leider immer), die nichts zu verlieren haben (bzw. sich einreden, dass so etwas wie die Folgen von Trumps Regierung auf die Umwelt nicht so schlimm sein werden), und sich deshalb wünschen, dass jetzt alle mal sehen können, wie schlimm es werden kann und wie sehr die große Revolution gebraucht wird, diese große Solidarität, die eigentlich immer damit endet, dass man den Lynchmob durch die Straßen schickt (ja, auch wenn’s von der Linken kommt, da täuscht auch das Che-Guevara-Shirt aus dem H&M nicht drüber weg).

Denn: “die Revolution frisst ihre eigenen Kinder.” Und wer sich wirklich vier Jahre wünscht, in denen Umwelt, Grundrechte und die wirtschaftliche Lage eines gesamten Landes ins Bodenlose rutschen, nur damit sich mal was Großes verändert, der hat nicht nur nichts zu verlieren, sondern der schert sich auch einen Dreck darum, was andere zu verlieren haben. Und wer dann auch noch denkt, dass das jetzt der Anstoß ist, um in Europa nicht denselben Fehler zu machen, der denkt wohl auch, dass man erstmal alle Wale ausrotten muss, damit das mit der Elefantenjagd aufhört.

Ich wollte übrigens nicht nochmal über dieses Thema schreiben, aber meine Güte.

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