Vom hässlichen Entlein: Schön ist nur, wer Schönes tut

In einem aktuellen Blogbeitrag als Gastautorin auf Franziska Schutzbachs Blog redet Buchautorin Maaike Kellenberger davon, dass sie es satt hat, bei den alltäglichen Enttäuschungen nach einem anderen Maß bewertet zu werden als Männer. Wenn sie sich spröde, unhöflich, inkompetent oder bockig verhält, gibt es nur einen Vorwurf: sie sei hässlich.

Und Maaike Kellenberger hat Recht. Es kann nicht sein, dass die Übersprungshandlung von abgewiesenen oder enttäuschten Männern der “Du bist eh hässlich”-Spruch ist, sowie das furchtbar lahme Argument, dass nur hässliche Jungfrauen so wirklich Feministinnen seien. Hinzu kommt oft – das passt in Maaike Kellenbergers Text nicht rein, aber ist oft miteinander verbunden – dass diejenige wohl sexuell frustriert sei. Mich ekelt es ja bereits, das hier beispielhaft aufzuschreiben, wie viel ekliger ist es, das zu hören oder darüber nachzudenken, was für ein Weltbild solche Männer haben (und vor allem, wie unsympathisch sie anscheinend immer sind, wenn sie sexuell frustriert sind, um solche Schlüsse zu ziehen).

In den Kommentaren gibt es hingegen einen einprägsamen Beitrag, der ein Problem anspricht, das mir ebenfalls immer mal wieder in den Oberarm zwickt. So schreibt Nina J. (ihr empfehlenswerter Blog ist hier zu lesen), dass Maaike Kellenberger den gängigen Schönheitsnormen entspricht und daher schwerlich darüber sprechen kann, wie es wirklich sei als “hässlich” zu bezeichnet werden.

Da gibt es nämlich etwas, das von Frauen, die dem gängigen Schönheitsideal entsprechen und daher auch häufig zu hören bekommen, wie gut sie aussehen, nicht als Problem wahrgenommen werden kann: Frauen, die aus diesem Ideal herausfallen, müssen ihr Selbstbewusstsein nach solchen Aussagen allein aus sich heraus stemmen und aufbauen, während die “schönen” Frauen sich mit der gesellschaftlichen Reaktion unterstützen können. Sprich, wenn ich regelmäßig von der Gesellschaft höre, dass ich schön sei, rüttelt das ein oder andere “Du bist hässlich” nicht so sehr an meiner Fassade als wenn meine gesamte Biographie daraus besteht, “hässlich” in den Augen anderer zu sein (dass diese anderen Augen in ziemlichen ****heads sitzen, setze ich dabei natürlich voraus).

Ein wenig lässt sich das Problem mit dem Lohngefälle in Hollywood vergleichen. Wenn Jennifer Lawrence kritisiert, dass sie weniger für eine Hauptrolle bekommt als ihr Kollege in einer Nebenrolle, dann ist es ein ernstzunehmendes Problem, das sich jedoch auf einem Gehaltslevel abspielt, bei dem die Existenz nie zur Debatte steht. Anders sieht es in Gehaltsschichten aus, in denen die Bezahlung allein nicht reicht, um den Monat zu überstehen. Addiert man dazu noch ein Kind, eine Trennung und fehlende Unterhaltszahlungen, verbleicht Lawrences Sorge ein wenig.

Die Tatsache, dass die eine Debatte auf einem Level geführt wird, auf dem es um das Prinzip geht, während es auf dem anderen Level um die Existenz geht, sollte bestimmte Teilnehmer natürlich nicht automatisch diskreditieren. Es wäre jedoch schon zu wünschen, dass sie ihre eigenen Vorteile erkennen und bestenfalls ansprechen, um eben aufzuzeigen, dass es mehrere Level der Benachteiligung gibt (deren Boden leider dem Fass ohne gleicht). Und hier, da nehme ich mich nicht heraus, sitzt halt manchmal ein blinder Fleck.

Wenn ich als weiße mittelständische Cis-Frau und Deutsche über Feminismus rede/schreibe, dann muss ich mir immer gewahr sein, dass ich zahlreiche Vorteile und Privilegien genieße, die andere Feministinnen nicht haben. Wenn ich mich also über meine Erfahrungen und Erlebnisse aufrege, dann muss ich damit rechnen, dass diese banal und albern wirken, im Vergleich mit den Erfahrungen von POCs, von behinderten Menschen, von Transfrauen und -männern, usw.

Maaike Kellenbergers Beitrag ist dennoch gut und wichtig. Aber er ist nur eine Stimme dieser Erfahrungen, die Frauen und insbesondere Transfrauen tagtäglich haben (ich erinnere daran, wie schwer es auch einer Alice Schwarzer in “Menschen bei Maischberger” fiel, Alicia King als Frau anzusprechen, während sie keinerlei Probleme bei der konventionell schönen Drag-Queen Conchita Wurst hatte).

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