Der dünne Kaffeesatz: Frauen kritisieren

Auf Ihrem eigentlich sehr hervorragenden Kolumnen-Platz beim SPON tut sich Margarete Stokowski mit ihrem neusten Argumentationszirkel schwer, sich selbst treu zu bleiben. Anfang und Ende ihrer Überlegung raten den werten Leser/die werte Leserin dazu, sich doch bitte kein Bild über Ronja von Rönne und Stefanie Sargnagel zu machen, sich nicht in die Diskussion um ihre Kunst und dem Bachmann-Preis zu beteiligen und bei Kritik bestenfalls ruhig zu sein, weil das doch „eine unwürdige Prozedur“ sei (aka, zu oft erlebt, zu oft ermüdend gegen die Wand gefahren). Mittig gibt es dann aber doch genug Absätze, die uns versichern, dass Sargnagel und Rönne ja vielleicht früher etwas langweilig oder doof waren, aber mittlerweile unbedingt gelesen werden sollten.

Der Kaffeesatz des Beitrags ist eigentlich gut. Da geht es darum, dass Frauen im Rahmen des Bachmann-Preises so heftig kritisiert werden, wenn sie denn mal überhaupt nominiert werden und Männer eben nicht. Aber warum denn ausgerechnet der Bachmann-Preis als Kernstück des Arguments?

Trotz zahlreicher Frauen und sogar Preisträgerinnen des Bachmann-Preises fällt es anscheinend schwer, das Argument der stetig überwältigenden Kritik der Autorinnen standfest zu untermauern und so gibt es lediglich zwei Damen, die von Stokowski genannt werden, wenn es um den unfairen Kritiksturm geht. Woran liegt’s?

Und eine der beiden Damen sorgte sogar eher auf weiblich-feministischer Seite für Furore, weil diverse Leute davon ausgingen, dass es eher eine medienwirksame Einladung war, da Ronja von Rönne Fame im Rahmen des Feminismus-Shamings erlangt hatte. Ähnlich, wie man halt Miley Cyrus 2013 zu den Video Music Awards als Moderatorin engagierte, weil sie gerade überall in den Schlagzeilen war (für Dinge, die ehrlich gesagt ganz schön langweilig waren). Ob das nun stimmt oder nicht, sei mal dahingestellt, aber im Rahmen dessen fällt es schwer, diese Theorie so 100%ig zu schlucken.

So hat der Kaffeesatz also wenig Tiefe, oder Röstung, wenn wir schon bei der Metapher bleiben wollen, und wirkt daher etwas verwässert.

Schlimmer noch, er ist so verwässert, dass man – wenn man wollte – den Beitrag auch so verstehen könnte, dass man selbst als Feministin bitte nicht andere Frauen (ob Feministinnen oder nicht) kritisieren sollte, da Frauen sowieso mehr kritisiert werden als Männer. Daher: Mund halten oder was Nettes sagen?

Ich unterstelle Margarete Stokowski bei weitem nicht, dass sie ihren Beitrag so gemeint hat. Ganz im Gegenteil. Sie hat ein Thema im Kaffeesatz entdeckt, aber vielleicht gerade nicht so viel Zeit oder Lust gehabt oder wollte halt wirklich mal so richtig diesen Bachmann-Preis thematisieren. Aber anstatt das ganze gerade zu zurren, hat sie Assoziationen und Gedanken fließen lassen und wie gewohnt schön, aber auch etwas eilig, eine Argumentationslinie gezogen, die ziemlich wackelig auf den Beinen ist. Dann ging es auch noch um eine mittlerweile gute Freundin (denn Ronja von Rönne mag zwar Texte schreiben, die ich als unsensibel, einseitig und irgendwie überflüssig empfinde, aber ist sicher kein schlechter Mensch) und zusätzlich um die Frustration, dass Frau wenn dann an wirklich allen Ecken und Enden kritisiert wird. Dass die wunderbare Stokowski im Rahmen dessen aber nicht mal die wunderbare Claudia Neumann erwähnt, nur weil dieser blöde Bachmann-Preis als roter Faden herhalten muss, ist schon etwas enttäuschend.

Was nicht passt, wird passend gemacht…sieht dann aber auch entsprechend verwurschtelt aus.

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