Gillian Anderson & Idris Elba als „James Bond“: die Bastion der weißen Männer

Es ist immer wieder dasselbe: einem Promi wird die Frage gestellt, ob er Lust an dieser oder jener Franchise-Rolle hätte, rein hypothetisch natürlich, sagt, dass er oder sie nicht ‚Nein‘ sagen würde und schon brennt die Luft.

In diesem Fall bekam Gillian Anderson Rückenwind von einer Online-Umfrage, die sie gerne als nächste „Jane Bond“ sehen würde. Die deutschen Medien nahmen dies dankbar auf, natürlich so, als hätte sich Gillian bereits längst beim Filmstudio beworben und darum gebettelt, diese anachronistische Werbeschleuder an Filmreihe weiterzuführen. Es folgt, was immer folgt in den Kommentarspalten – auch als „Drecksschleudern“ bekannt – des Landes: „James Bond ist nun mal ein Mann!“ (gefolgt von heftigen Heulkrämpfen und Stampfen auf dem Boden)

Tja, James Bond – ich erinnere, der fiktive Charakter – ist auch ein Engländer, der bereits in mal mehr mal weniger schlechten Akzenten von einem Iren, einem Schotten und sogar einem Australier gespielt wurde. Der Australier hatte sogar so einen schlechten Akzent, dass er für 50% des Films in einer “Verkleidung” von einem anderen Schauspieler synchronisiert wurde!

Das ist natürlich ok, solange James Bond – der fiktive Charakter – männlich bleibt. Ebenso Un-OK ist es übrigens, wenn James Bond männlich und sogar englisch bleibt, dafür von einem schwarzen Schauspieler gespielt werden soll. Idris Elba hatte vor eins, zwei Jahren ein ähnlich unschönes Erlebnis, als er vermehrt von Fans für die Rolle vorgeschlagen wurde. „James Bond ist nun mal ein weißer Mann.“

Man will vielleicht gar nicht wissen, wie kompliziert die Algorithmen der Hardcore-Franchise-Fans sind, nach denen ausgewählt wird, welche Charakter-Merkmale eines fiktiven Charakters nun für immer und ewig in Stein gemeißelt sind und welche in einer Art Neuem Testament umgedeutet werden dürfen.

Übrigens auch verwirrend: so sehr immer darauf gepocht wird, wie wichtig die Romantreue sei (weil der Autor es halt so geschrieben hat), wird der Autor ganz schnell unwichtig, sobald er oder sie sich persönlich offen für Veränderungen einsetzt. Dan Aykroyds Begeisterung für die weibliche Besetzung seiner „Ghostbusters“-Charaktere hinderte beispielsweise nicht daran, dass tausende und abertausende männliche Fans noch vor Erscheinen des Films deklarierten, dass der Film ja ein Flop sein müsse, da die „Ghostbusters“ doch männlich seien, Gottverdammichnochmal!

Und auch J.K. Rowling konnte der rasenden Masse an weißen Privilegien keinen Einhalt gebieten, als die Theaterproduktion von „Harry Potter“ in London eine schwarze Schauspielerin in der Rolle von „Hermione“ besetzte, die – wie Rowling betonte – in den Büchern eigentlich nie klar als weiß definiert wurde. Egal, dann steht es halt nicht im Buch, aber im Film ist sie doch weiß!

Naja gut, dachte sich J.J. Abrams und schrieb einfach für die „Star Wars“-Sequels neue Charaktere, um die weiße Männlichkeit der „alten Welt“ nicht zu bedrohen. Doch auch das, liebe LeserInnen, war den Fans zuviel, schlimmer noch, die Tatsache, dass ein schwarzer Schauspieler und eine weiße Schauspielerin die Hauptrollen spielten und auch im nächsten Teil eine Frau die Hauptrolle spielen soll, erzürnt schon wieder die Fans, denn plötzlich stört es dann sogar, dass es anscheinend mehr als eine Frau und einen Schwarzen im gesamten Franchise-Universum geben soll.

Und spätestens zu diesem Zeitpunkt, liebe LeserInnen, muss man diese ganzen Hasstiraden, diese albernen Nicht-Argumente und kruden Vorwürfe einfach hinter sich lassen.

Jeder von uns hatte wohl dieses eine Kind im Freundeskreis, dass die Spielregeln immer gerade so umänderte, dass es auch ja gewinnen konnte. Ähnlich unfair, blöd und spaßlos ist die ewige Debatte darum, welche Bastion weiß und männlich bleiben soll, forever and ever, until Death do those losers and their franchise apart.

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