Die Goldene Kamera 2016: Irgendwas mit Fernsehen

Protokoll eines schrecklichen Fernsehabends (im Schauen geschrieben, Rechtschreib- und Grammatikfehler seien zu verzeihen):

Schon beim Comedian-Intro, das irgendwie an das erinnert, was sich der unkreative Trendmanager der öffentlich Rechtlichen so vorstellt, wenn er an Neil Patrick Harris bei den Tonys (hier) denkt, merkt man: wir sind hier im deutschen Fernsehen, hier ist Comedy nicht das, was andere von Comedy verstehen (z.B. witzig sein) und rein technisch wirkt das alles so, als hätte man die großen 0er Jahre noch vor sich. Ja, hier wird noch mit AOL gemailt und jede Webseite hat einen Klickzähler und eine Wetter-App und Award-Shows dienen nicht der Unterhaltung, sondern der reinen Selbstbeömmelung.

Daher wird auch kein aktueller, trendiger oder gar beliebter Entertainer aus Deutschland zum Moderator ernannt, sondern Thomas Gottschalk, der dem öffentlich Rechtlichen in seiner Promo-Tour für das Event erstmal gehörig vor die Haustür gekackt hat, indem er sich über die schlechte Qualität und langweiligen Programme aufgeregt hat. Die sicher mindestens fünfstellige Summe, die er für sein „so war das damals“-Programm auf der #GoKa-Bühne bekommt, nimmt er dennoch an, vielleicht hatten Klaas und Joko keine Zeit und Jan Böhmermann musste sowieso noch ein Parodievideo zur GoKa aufnehmen.

Was übrigens so wenig neu wie die Moderation ist: dass die Anmoderationen so lang und trocken sind, dass man wie ein Verdurstender in der Wüste nach irgendeiner Femen-Demonstrantin Ausschau hält. Der Blick ins Publikum bestätigt – hier wird gelitten, nicht gefeiert. Aber wenn das ZDF einlädt, sich selbst zu feiern (boah, wir sind so unterhaltsam, bitte glaubt uns das doch endlich mal), dann muss man auch antanzen, denn ansonsten wird man nicht mehr für jede lächerliche Gameshow (hallo Barbara), jede noch so redundante Talkshow (oy, Günther) und jede noch so erniedrigende Promischunkelshow (hallo, alle) engagiert und muss am Ende noch Werbung für Media Markt machen.

Nur bei der Goldenen Kamera namedroppt Jürgen Prochnow die überraschenderweise

anwesende Julianne Moore (einst spielten sie zusammen in einem Film, danach nie wieder – ein Moment der Reflektion von Lebensentscheidungen für Prochnow) und verleiht ihr die goldene Kamera als beste internationale Schauspielerin.

Wie absurd diese Preise für internationale Schauspieler übrigens sind, zeigt sich alleine im anschließenden Film-Reel, da die elendige, doofe, blöde, alberne und absolut anachronistische Synchronisation dann doch irgendwie jegliches Gefühl kaputt macht, das jede noch so gute Schauspielerin in ihre Performance gelegt hat.

Kleiner Fun Fact: bei den Oscars dürfen Stars ca. 45 Sekunden reden, nachdem Greer Garson 1942 mit einer 6-minütigen Rede sowohl das Programm als auch die Geduld der Gäste und Zuschauer überstrapaziert hatte. Bei der GoKa gibt es so etwas weder für die Anmoderationen noch für die Dankesreden, daher darf Jörg Hartmann eine Anekdote erzählen, die man selbst bei sehr sehr engen Freunden irgendwann mit verzweifeltem Weinen abbrechen würde. Den Preis bekam er übrigens für seine tolle Rolle in der Ostalgie-Daily Soap „Weissensee“, wo er einen Charakter spielt, der alleine ob der Garderobe von seinem „Tatort“-Charakter und irgendwie jedem anderen Charakter, den er je gespielt hat, zu unterscheiden ist. Diesen einen Charakter kann er aber gut, meinen alle, also, alle, die diese Preise vergeben.

Wie schlimm die GoKa wirklich ist? Barbara Schöneberger kaut gelangweilt Kaugummi, während Helene Fischer sich für einen Preis – es ist mittlerweile schon längst egal, wofür, welche Kategorie, gab es Konkurrenz? – bedankt und dabei ausnahmsweise nicht unser Leben vor unseren Augen vorbeiziehen lässt. Aber dafür gibt es ja Thomas Gottschalk, der seine hervorragenden Interviewskills (NOT) zeigt und da Schenkelklopferwitze aus der After-Work-Runde der ZDF-Intendanten präsentiert und irgendwie dauert diese eine einzige Award-Verleihung bereits länger als Kim Kardashian mit Kanye West zusammen war und irgendwo nimmt ein Politiker einen langen Zug Rotwein in einer Festhalle mit Johannes B. Kerner. Warum sind wir dort? Was wird dort gefeiert? Ich weiß es nicht, aber es gibt einen Sportchor voller Handballer, die einen Helene Fischer-Song mit eigenem Text vorträgt und ich weiß in diesem Moment, dass Julianne Moore und Helen Mirren (ja, ich weiß auch nicht, warum sie nichts besseres vorhat) nie wieder nach Deutschland fahren werden und unsere deutschen Handballer sind schuld.

Jetzt lacht doch mal! Schreit mir GoKa mit einem Fremdschäm-Auftritt der deutschen Jungstars entgegen, die sich als Seriensüchtige präsentieren und zeigen, dass gute Schauspieler nicht zwangsläufig gute Comedians abgeben. Deutsche Comedy – wo Seriensucht und Dealer-Witze für höfliches Gelächter sorgen. Nominiert ist auch „Weissensee“, weil der Ostbezug alleine darüber hinwegtäuschen soll, dass wir uns hier eine Abendversion von „Rote Rosen“ ansehen, aber mit Mauerfall und unsympathischen Protagonisten! Ähnliches übrigens auch bei „Deutschland 83“, aber da überwiegen die Plotlöcher die Antipathie. Es macht schon Sinn, warum es bei deutschen Award-Shows eigentlich niemals einen Preis für das beste Drehbuch gibt, da die besten Drehbücher vorher zerhackt, zerfleddert und Til Schweiger zum Korrekturlesen vorgelegt werden. Bei den ca. 204 Leuten, die anschließend – ach so, „Deutschland 83“ hat gewonnen, aber nur, weil es von internationalen Medien so lauwarme Kritiken bekommen hat – auf die Bühne treten, muss man wieder davon ausgehen, dass die Dankesrede drei Generationen umfasst, selbst meine Enkel können dieses Spektakel noch erleben.

Welche Menschen wählen eigentlich den beliebtesten Showmaster via Telefon oder SMS? Nein wirklich, wer sitzt zuhause und tippt mit chipsspeckigen Fingern auf seinem Ausklapphandy eine SMS, als wäre es 2003? Das ist ja fast so, als würde sich jemand an einem Samstagabend in der Blüte seines Lebens hinsetzen, die Sendung schauen und auch noch darüber schreiben…niemand erniedrigt sich so sehr, oder?

Ob sich Olli Dietrich furchtbar schämt, weil Thomas Gottschalk ihn in seiner Anmoderation zu den verstorbenen Stars und schlechten Nachrichten erwähnt? Ob viele Stars im Publikum sitzen und kalter Schweiß ihre Stirn herabläuft, weil sie hoffen, dass keine Kamera sie erfasst, um so zu offenbaren, dass sie tatsächlich da sind. Haha, Klaas ist auch da, den hat keiner seiner Freunde zu einer Party eingeladen!

Jetzt muss ich mir auch noch eine langweilige Cover-Version von „Everybody Hurts“ anhören, weil irgendein Plattenlabel mir einen neuen Star schon wieder Max Mutzke aufdrängeln will, während traurige Hashtags im Hintergrund von Pressefotos mit Silvesterböller-Animation erscheinen. Eine Kritik zu den Vorfällen in Köln? Oder doch nur die begrenzten Mediendesign-Skills der tausendjährigen Redaktion beim ZDF? Lasst uns alle bei Wörtern wie „Fluch“, „Menschenrechte“ und „Peace for Paris“ darüber nachdenken.

Thomas Gottschalk holt Luft: „So“ – und jetzt wieder oberflächliches Geplänkel, wenn wir eine Sache gut können, dann ist es die Probleme der Welt innerhalb von Sekunden wieder in doofen Witzen und hässlich bestickten Moderatoren-Jackets aufzulösen bzw. in einem Rotweinglas zu ertränken. Es wird so viel geschwafelt in dieser Sendung, ich verstehe es nicht. Warum fragt man nicht mal bei den Oscars, Tonys, Grammys usw. nach, dort werden diese Dinge strukturiert und geplant und geprobt, dort gibt es eine Programmplanung und die Leute werden auf Fragen, Anmoderationen und potenzielle Dankesreden vorbereitet. Warum sind deutsche Fernsehveranstaltungen immer so unfokussiert und dadurch langweilig wie die ältere Nachbarin, die über die ausbleibenden Besuche ihrer Enkel erzählt, obwohl sie einem eigentlich nur ein Paket geben sollte?

Florian David Fitz trägt ein Hundebaby! Ich wiederhole, Florian David Fritz trägt ein Hundebaby!!!! Idee: lasst uns alle Gäste, Moderatoren, Stars und Nominierte durch Hundebabys ersetzen. Puppy Bowl goes GoKa, auch Kätzchen und kleine Entchen sind herzlich willkommen.

Maria Simon ist übrigens ähnlich wie Jörg Hartmann sehr gut darin, ein und dieselbe Person in einer Vielfalt an Filmen zu spielen, egal, ob es passt oder nicht. Natürlich wird das von den öffentlich Rechtlichen belohnt, daher gewinnt sie auch die GoKa als beste deutsche Schauspielerin. Maria Simon trägt einen Kimono und ich rate allen, mal „Cultural Appropriation“ zu googeln. Das hilft vielleicht auch darüber hinweg, dass Maria Simon nun ein Lied singt, um den Weltfrieden herzustellen. Es ist leider nicht „I’ve been looking for Freedom“, sondern etwas, was eine leicht zitternde 12-jährige beispielsweise beim Talentwettbewerb in ihrer Schule vortragen würde. Alle sollen jetzt super berührt sein, aber gucken irgendwie pikiert bis fassungslos, das mag aber auch daran liegen, dass sich jeder fragt, ob Maria Simon wirklich in einer Band singt oder nur furchtbar betrunken ist und einfach mal megamäßig improvisiert. Und warum singt sie „Du bist the Santa?“, doch nicht vor dem Kind, das noch an den Weihnachtsmann glaubt (ach so, Florian David Fitz hatte noch ein kleines Mädchen auf die Bühne geholt, weil…äh…irgendwas)!

Til Schweiger! Ich dachte ja, er wäre nicht dabei, weil er den nächsten „Tatort“-Flop drehen muss, aber jetzt wird wohl gleich der Preis an Gerard Butler vergeben, denn Bros will be Bros und Schweiger ist sicher verantwortlich dafür, dass sein „Buddy“ vor Ort ist. Wer jetzt überlegt, warum Gerard Butler als „Bester Schauspieler International“ ausgezeichnet wird, der überlegt zusammen mit mir. Der letzte Film mit ihm war ein Animationsfilm (How to Train your Dragon 2) aus dem Jahr 2014. Im Jahr 2015 gab es keinen einzigen Film mit ihm. Stellen wir also fest: International beste Schauspieler erhalten ihre Preise nicht nach Aktualität oder Relevanz, sondern wirklich und wahrhaftig nach ihrem Willen, zur Veranstaltung zu fliegen. Wir halten weiterhin fest: es sind drei Stars da, weshalb Helen Mirren heute ihren Preis für ihr Lebenswerk mitnehmen darf. So, ich hab das Puzzlerätsel gelöst und jetzt ist die Sendung zu Ende, oder?

Nein. Gerard Butler ist es nicht gewöhnt, nach 45 Sekunden abgewürgt zu werden und erzählt daher von alten Anekdoten, Bro-Geschichten und all seinen Erinnerungen mit Til Schweiger. Til steht im Hintergrund und versucht, die einstudierte Rede Butlers nicht leise mitzureden wie eine Bühnen-Mutter, die die Tanzschritte ihrer Tochter mittanzt.

Es ist jetzt 21:48. Ich bin diese Woche 6 Stunden von Berlin nach Karlsruhe mit dem Zug gefahren und es kam mir nicht so lange vor, wie diese Sendung.

Der nächste Preis wird übrigens angesungen. Nachwuchsschauspieler des Jahrtausends wird Edin Hasanovic, einer der Schauspieler, die gerne für schwierige Jugendliche mit Migranten-Hintergrund beim „Tatort“ gecastet werden. Ehrlich jetzt und leider. Mir fällt übrigens spontan auf, dass die Namen der Gewinner samt Preis nicht eingeblendet werden. Zur Feier eines Nachwuchsschauspielers irgendwie doof, generell aber auch so als wüsste man beim ZDF nicht, wie solche Shows funktionieren. WEIß MAN, DASS ES SO ETWAS WIE DIE OSCARS GIBT?

Bei den Oscars gibt es nach den Preisen übrigens keine gefühlt 6-stündigen Biographien der Stars inklusive Geburtsvideo. Aber bei den Oscars gibt es auf jeden Fall eine ähnliche Vielfalt in der Demografie der Preisträger. Bei den Oscars gibt es allerdings nicht noch schnell Schleichwerbung mit einem geschenkten Wagen für den Nachwuchsdarsteller (denn es zahlt sich nicht aus, in Deutschland Schauspieler zu sein, siehe hier und hier).

WUSSTET IHR, DASS MICHAEL MITTERMEIER IN DEN USA AUFGETRETEN IST? Ich nicht, aber ich wusste bis vor kurzem auch nicht, dass Michael Mittermeier noch Comedy macht. Ich war glücklicher mit dieser Ignoranz und denke, dass „Michael Mittermeier macht noch Comedy“ auf der Betroffenheitswand hinter Max Mutzke gefehlt hat. Das Tolle an der deutschen Comedy: sexistisch und rassistisch sein, aber trotzdem gegen Rassismus und Sexismus sein.

Was ich zum Thema Köln, Rassismus und Pegida schon immer hören wollte: die unreflektierte, oberflächliche Schenkelklopfer-Polka eines Comedians, der seit den 90er Jahren keine Weiterentwicklung mitgemacht hat. Wusstet ihr, dass er jenseits der GoKa immer noch dasselbe Outfit trägt, dass er damals getragen hat? Jetzt wisst ihr es, viel Spaß damit.

Ob Dunja Hayali super glücklich darüber ist, dass ihre journalistischen Bemühungen von jemandem anmoderiert werden, dessen Zielpublikum so wenig reflektiert, dass es sich nicht mal im Spiegel sieht? Und ob sie super froh darüber ist, dass Mittermeier die Hassnachrichten, die sie täglich bekommt, noch einmal für alle zum Mitschreiben vorliest? Wäre ja blöd, wenn er beispielsweise Zitate von ihr vorlesen würde, wie man gegen den Hass vorgeht, nicht, wie man ihn am besten ausformuliert.

Dunja Hayali ist zu gut für die Goldene Kamera.

„So!“ Musik. Ach ja, die Beach Boys wurden auch eingeladen – ja, sie leben noch – und werden von Rae Garvey geehrt, der zwar immer das Gefühl gibt, dass deutsche Stars super international sind, der aber wirklich nur in Deutschland irgendwie berühmt ist. Das Tolle daran, wenn internationale Stars in deutschen Shows gefeiert werden ist die Tatsache, dass diese Stars in diesem Moment DAS BESTE sind, dass es jemals gab und dass es niemanden gibt oder gab, der jemals auch nur ansatzweise so großartig war. Wusstet ihr, dass es zwischen Mike Love und Brian Wilson – das kreative Genie der Band – Knatsch gibt? Das erklärt, warum er auch nicht dabei ist, den Preis anzunehmen. Ups. Dafür spielt er auch keine traurigen Medleys der YesteryearHits im ZDF, sondern nimmt Alben auf („No Pier Pressure“, 2015).

Die Mitglieder, die sich nicht gestritten haben, erklären übrigens, dass es keinen besseren Preis als die GoKa gibt. Ich denke, jetzt bieten sich die Hashtags #Notluege #NotReally an.

Und auch das: #PlaybackBeachBoys

Gerade als Thomas Gottschalk mit den Beach Boys gesungen hat, ist mein Kater wie aus einem Albtraum aufgeschreckt. Wir sind übrigens noch nicht am Ende und dieser Beitrag ist über 2000 Wörter lang. Das hab ich nicht gewollt, aber auch Helen Mirren und Julianne Moore werden sich so fühlen: jetzt bin ich hier und hab schon so viel Elend mitgemacht, jetzt kann ich das auch bis zum Ende durchmachen und den Rest bei meiner Meditationsgruppe aufarbeiten.

Wusstet ihr, was auch niemand jemals sehen wollte? Eine Klaus Kinski-Parodie für den „Besten Deutschen Film“. Mir wäre eine Max Schreck-Parodie lieber gewesen. Wusstet ihr, dass Klaus Kinski seine Tochter missbraucht hat? Beim ZDF kein Grund, trotzdem herzlich über cholerische Anfälle eines Ekels zu lachen. Haha, wir haben Spaß!

Es ist 22:37 und Helen Mirren hat noch gar keinen Preis gewonnen und ich habe Angst, dass es niemals ein Ende gibt und ich in 2 Jahren 30000 Seiten darüber geschrieben habe, ausgemergelt und im Wahn.

Ich möchte hier übrigens kurz sagen, dass ich den Kieler „Tatort“ ganz großartig finde und dass er nicht verdient hat, mit so einem Schmarrn als „Bester Fernsehfilm“ nominiert und bei so einem Schmarrn erwähnt zu werden. Der Kieler „Tatort“ ist wie Helen Mirren und Julianne Moore und Dunja Hayali – völlig zu Unrecht in so einer Farce verloren.

Ich muss da spontan an eine Kaffeefahrt denken, an der meine Mutter einst mit ihrer Freundin teilgenommen hat, aus reinem Interesse. Die haben dann zu spät festgestellt, dass es selbst aus reinem Interesse eine sehr schlechte Idee war und sie seilten sich dann ab und landeten auf einem Bahnhof an der tschechischen Grenze mit zwei Flaschen Wein. Mein Vater musste sie abholen. Das hat jetzt alles nicht mit der Sendung zu tun, ist aber interessanter als das, was die nächste Dankesrede mit sich bringt, vor allem eingehakte Nebensätze, die für niemanden interessant sind, außer den Beteiligten. Liebe Zuschauer: wir sind nicht an dieser Sendung beteiligt. Diese Sendung wird nicht für uns gedreht. Es gibt keine witzigen Sketche, keine interessanten Performances, keine charismatischen Moderatoren oder Stars, keine zügige, bunte Show.

Was wir hier sehen, ist der Grund, warum die öffentlich Rechtlichen in den nächsten Jahren noch mehr Geld verlangen, damit sie weiterhin so viel Pomp auf eine so langweilige, lange, gehaltsleere Art und Weise zu präsentieren. Stellt Euch den teuersten Zwieback der Welt vor – es ist immer noch ein Zwieback.

Jetzt also Helen Mirren. Oh mein Gott, ich bin so aufgeregt, sie wird sich freuen, dass man sie ans Ende der Sendung hin organisiert hat, so muss sie definitiv bis zum Ende bleiben. Gab es seit Julianne Moores und Gerard Butlers Siegen noch ein Lebenszeichen von den Beiden? Oder haben sie bereits längst das Studio verlassen? Ich würde es tun. Helen Mirren sieht so aus als bereut sie es, dass sie es nicht getan hat. Was sie nicht ahnt: die Anmoderation für Ihr Lebenswerk soll so lange dauern, wie ihr Lebenswerk.

Helen Mirren: „Nothing stays the same“ – sie kennt das deutsche Fernsehen nicht. Bless her heart.

Helen Mirren bedankt sich übrigens bei ihrer Synchronsprecherin Karin Buchholz – das ist sehr süß, auch wenn es nichts schlimmeres gibt als deutsche Synchronstimmen. Helen Mirren ist zu gut für das ZDF.

Es ist 22:57. Wisst ihr, was jetzt noch kommt? Das, worauf jeder gewartet hat (NOT): die Abstimmung des beliebtesten Moderators. Zur Auswahl standen Kai Pflaume und ein paar andere Showmaster, die nicht wissen, dass man als Showmaster nicht unbedingt Politik-Talks machen muss und/oder sollte. Aus den 30 Zuschauervotes (ich schätze) ergibt sich das Ergebnis: Günther Jauch. Denn bei der GoKa gewinnen die Showmaster, die so sehr für ihre Talkshow kritisiert wurden, dass sie freiwillig das Handtuch geschmissen haben. Ich hätte es Kai Pflaume gewünscht, denn Kai Pflaume ist harmlos, unschuldig und ich habe den Eindruck, dass er sich nicht ganz für die deutsche TV-Hoheit hält. Ich mag mich irren, aber sagen wir es mal so: wenn ich mit einem der Nominierten essen gehen müsste, würde mir die Wahl sehr sehr leicht fallen.

Es ist jetzt 23:02 und Thomas Gottschalk redet immer noch, aber es ist jetzt auch vorbei und alle Gewinner werden jetzt noch mal auf die Bühne geholt, um zu testen, ob wirklich auch noch alle da sind (Sideeye Julianne, Helen und Dunja)

Frank Elstner geht offensichtlich genervt, wütend und müde. Ich fühle mich ähnlich. Die Beach Boys tun noch einmal so, als würden sie live singen und spielen. Ich sehe Julianne Moore nicht und drücke ihr die Daumen, dass sie es rausgeschafft hat.

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4 thoughts on “Die Goldene Kamera 2016: Irgendwas mit Fernsehen

  1. Ich bin ja mit Cultural Appropriation noch ein bisschen … nicht überzeugt, aber sonst sehr begeistert von diesem Post, der Großes erwarten lässt für dieses mir wenn ich mich nicht täusche bisher noch gar nicht bekannte Blog.

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    1. Dankeschön! Ich köchele ja gerne immer erstmal im kleinen Stübchen, bevor ich meine Blogs nach außen hin trage. Aber wenn es Zeit und Muße zulassen, wird es wohl immer mal wieder Beiträge zum unendlich schrecklichen deutsche Fernsehen geben. Wusstest Du, dass Matthias Schweighöfer eine Serie für Amazon produziert, wo er auch Regie führt und die Hauptrolle spielt? Furchtbar…

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      1. Mir sind ja Leute suspekt, die mehrere Blogs betreiben. Ja nee. Also. Ich meine jetzt. Also. Bei mir ist das was anderes. Ich meine, Leute, die … das anders machen als ich. Also. Ja. Jedenfalls netter Post, das hier.
        Und nein, wusst eich tatsächlich nicht. Ich gehe fest davon aus, hier bald mehr darüber zu lesen.

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