Wo sind die weiblichen Rockstars? Nicht in der Berliner Zeitung

Wenn ein Celebrity stirbt, kann man sich in den Tagen danach auf einige groteske Clickbait-Artikel gefasst machen. Ganz besonders beunruhigend fiel dabei der Beitrag “Nach Bowies Tod: Welche Rockstars gibt es noch?” aus. Es ist schon genug, dass es irgendwie morbide und leicht widerwärtig ist, nach dem Tod eines menschlichen Wesens logistische Bestandsaufnahmen der noch zu sterbenden (daher mit Alter angegebenen) Musiker zu nehmen, von denen die Berliner Zeitung sicher bereits allesamt Lebensrückblicke im Redaktionsplan angefertigt hat.

Aber dass als einzige offensichtliche Quotenfrau auch noch Pop-Ikone Madonna (Pop-, nicht Rock-Ikone) bemüht wird, offenbart, dass wer immer diesen Beitrag geschrieben hat – einen Redakteur (Redakteurin?) findet man nirgends – nicht wirklich viel von Rock versteht.

Lasst mich mal womansplainen:

In der Liste befinden sich allesamt alte Rockstars. Natürlich gibt es auch jüngere, aber hier geht es ja darum, etwas versteckt und sehr perfide eine “Who’s next”-Liste zu erstellen, daher will ich mal kurz ein paar Frauen des Rock auflisten, die sehr wohl in die Liste gepasst hätten. Wie schreibt Anonymous in der BLZ?

“Echte Stars, das sind auch nach Bowie Künstler, die weit über ihre eigene Generation hinaus herausragenden Einfluss haben – oder zumindest besonderes Charisma” (Letzteres spricht wohl auf Madonna an, der man damit erstmal die volle Breitseite ihres Talents abspricht).

Ok, dann wollen wir mal:

Tina Turner – eine der ersten schwarzen Frauen, die knallharten Rock gespielt hat.

Patti Smith – eine der Mitbegründerinnen der New Yorker Punk Szene und ein absolutes Idol. Bruce Springsteen (Rockstar #6 ist übrigens ein großer Fan von ihr und liebt ihr Cover seines Songs “Because the Night”, das von vielen Fans als die ultimative Version dieses Songs angesehen wird).

Stevie Nicks – die ehemalige Frontfrau von Fleetwood Mac ist auch heute noch die mit Seidenschals behängte Inspiration vieler Sängerinnen und Sänger, die sich dem Rock verschrieben haben – niemand röhrt so schön wie Stevie.

Kate Bush – wer “Peter Gabriel” sagt, muss auch “Kate Bush” sagen, die beiden musikalischen Seelenverwandten gehörten insbesondere in den 80er Jahren zu den innovativsten Rock/Popstars der Zeit und war die erste Frau, die in den UK-Chars die #1 mit einem selbstgeschriebenen Song erreichte. Entdeckt wurde sie übrigens von David Gilmour, der in der Liste der (männlichen) Rockstars ebenfalls vergessen wurde.

Deborah Harry – eine der ikonischen Punkbands, die es auch noch schaffte, ein Comeback im 21. Jahrhundert zu schaffen, sollte nicht unerwähnt bleiben. Harry ist dafür verantwortlich, dass Frauen in den 80er nicht nur Schulterpolster und Pumphosen als Modevorbild hatten.

Joan Jett – wie peinlich ist es eigentlich, wenn man über die großen Rockstars schreibt und die Frau vergisst, deren Song DIE Hymne für jeden Classic Rock-Fan ist? Sehr peinlich, oder?

Courtney Love – es gibt wenige Grunge/Rock-Künstler, die auch mit 50 noch den Punk so verinnerlichen, wie Courtney. Von ihren Boulevard-Storys mag man ja halten, was man will, aber die Frau ist berühmt berüchtigt und bleibt ihrer Musik treu.

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