„Obvious Child“ – Nichts ist lustiger als Abtreibung

Jenny Slate mag der ein oder andere als fast unerträgliche „Mona-Lisa Saperstein“ in Amy Poehlers Geniestreich „Parks and Rec“ kennen, vielleicht auch als Stand-up oder als eher kurzes SNL-Mitglied.

Es ist also nicht abwegig gecastet, wenn sie in der Indiekomödie „Obvious Child“ eine Comedienne spielt, deren Freund sich frisch von ihr getrennt hat und die kurz darauf schwanger wird und mit dem bösen Wort „ABTREIBUNG“ zu tun bekommt. Dass Abtreibung nicht grundsätzlich zum verheulten Fernsehfilm ausgewurschtelt werden muss, hat vor einigen Jahren bereits der durchschlagende Teen-Erfolg „Juno“ gezeigt, doch so ganz traute sich Drehbuchautorin Diablo Cody dann doch nicht, einen Teenager zu lange vor die doch sehr realistische Entscheidung zwischen Schwangerschaft und Abtreibung zu stellen. Zum Entsetzen der Pro-Choice-Community wurde die Protagonistin (reizend gespielt von Ellen Page) auch noch von einer Pro-Life-Demonstrantin zum Behalten des Babys überredet. Der schwangere Teenager, der sein Baby zur Adoption freigibt ist also in den Augen Amerikas akzeptabler als der Teenager, der abtreiben lässt. Wieder was gelernt.

Gillian Robespierre ist nicht so verängstigt vor der Rage der Pro-Lifers (man darf ruhig Angst haben, die christlich geprägten Wutdemonstranten neigen zur Übertreibung), hat aber vielleicht auch nicht den Anspruch einen familienfreundlichen Überraschungshit zu schaffen, weshalb für die sehr viel ältere Protagonistin Donna Stern (Slate) die Frage nach dem Behalten zwar nicht völlig vom Tisch fällt, aber etwas ausgewogener von Donna reflektiert wird.

Das Ganze als Komödie ist nicht zuletzt daher brillant, da Babys und vor allem (fiktive) tote Babyzellklumpen eines der Themen sind, die eigentlich so gut wie nie mit Augenzwinkern, Furzkissen und Gummihuhn abgefrühstückt werden. Dabei ist es doch ein Thema, mit dem sich die meisten Frauen mindestens einmal im Leben beschäftigen (und sei es beim gefürchteten Pregnancy-Scare aka der blöden Periode, die keine Termine einhalten kann bzw. dem einen Kondom, dessen Haltbarkeitsdatum doch gerade mal seit einem Monat abgelaufen war).

Donna macht dies auf die Art und Weise, die besonders als Mittzwanziger nachvollziehbar ist – egoistisch, kindisch und überraschend konsequent. Gen Ende des Films wartet noch ein grandioser Stand-up-Akt zum Thema auf den Zuschauer, der ausgedruckt vor Abtreibungskliniken verteilt werden sollte.

Zugegeben, die Zielgruppe von „Obvious Child“ sind die Art privilegierten weißen Slacker, die zwar nicht so ganz den Traumjob und –Partner haben, aber dennoch mittelständig genug sind, um sich die Frage nach der Finanzierung eines Kindes geschweige denn gesellschaftlichen Vorwürfen stellen zu müssen (aka Teenage-Schwangerschaft, stark religiöse Fragestellungen und/oder gesundheitliche Einschränkungen).

Aber eine Komödie zum Thema Abtreibung, in der Abtreibung nicht zu Depressionen, Naturkatastrophen und der Apokalypse führt, ist doch wundervoll, oder nicht? Dafür komm ich gerne in die Hölle!

Übrigens, titelgebend ist Paul Simons gleichnamiger Song:

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