Die kleinen und die großen Brüste

Verena Bogner plädiert für kleine Brüste in ihrem neuen „Vice“-Kommentar, das irgendwie nett, irgendwie frech, dann aber auch irgendwie unschön. So rollen große Brüste den Frauen angeblich ins Gesicht, wenn sie sich auf den Rücken legen und mal keinen Oma-BH tragen oder sie sind von unschönen Dehnungsstreifen gezeichnet (das erst nach der Geburt eins Babys, das Bogner eh nicht haben will, weshalb dieses Argument so und so nicht in die Argumentationslinie gehört). Das muss eigentlich nicht sein, denn die Modeindustrie weiß seit anno dazumal, dass kleine Brüste zu bevorzugen sind, so findet man als Frau mit großen Brüsten in bestimmten Läden eher selten Oberteile, die nicht für eine proportional angeblich passende Bauch- und Schulterbreite konzipiert wurden (als seien alle Frauen mit großem Busen Linebacker, wobei die die es sind sich unbedingt trauen sollten, schulterfrei zu tragen).

In der Filmindustrie sieht man – abgesehen im Porno und vielleicht bei „Mad Men“ – auch eher die elegante Mitte, die gerade so groß ist, dass sie weder hängt noch kein Dekolletè macht (dieses Modell ist übrigens in der eleganten Mitte eher selten, unter Schauspielerinnen bzw. deren Körperdoubles allerdings recht häufig).

Und die großen Brüste, die findet man in Pornos, bei der Bade- und Unterwäschemode und anscheinend auch gerne in den Männerfantasien derer, die einfach mal Frauen mit kleinen Brüsten blöd anlabern und ihnen sagen, dass sie ja ganz hübsch sind, aber einfach zu kleine Busen haben (vielleicht sollte Frau sich einfach mal die Eier des Manns zeigen lassen und ähnlich zu Gericht gehen).

So, am Ende haben viele Frauen viele verschiedene Arten von Brüsten, manche haben sogar zwei verschiedene Arten am Brustkorb, das sieht man ja noch seltener, die kleine und die große in einem BH, obwohl es das doch auch gibt und obwohl das auch irgendwie ganz niedlich ist. Und von den Brustwarzen wollen wir hier gar nicht erst anfangen, die sind ja sowieso absolut verpöhnt überall dort, wo nicht Porno drauf steht, es sei denn, der „Tatort“ oder ein anderer deutscher Film will mal wieder zeigen, wie unverkrampft er ist.

Was wollte ich eigentlich sagen? Ach ja, Verena Bogner hat schon recht, man soll sich seiner kleinen Brüste niemals schämen müssen, denn es gibt gar keinen Grund dazu (auch wenn manche Männer und vielleicht auch manche Frauen das irrigerweise annehmen). Aber genauso wenig sollte man sich für seine mittleren, großen und gigantischen Brüste schämen müssen, mit oder ohne Dehnungsstreifen (das ist halt so, wenn die Brüste natürlicherweise der Schwerkraft gehorchen müssen).

Man muss sich auch nicht schämen müssen, wenn die Brüste – ob klein oder groß – hängen und das nicht erst ab der Menopause, wie irrwitzigerweise schlecht recherchiert in diesem Artikel behauptet wurde (der auch noch als Plädoyer für unterschiedliche Brustformen in der Serie „Game of Thrones“ verfasst wurde, aber doch nicht so ganz ohne Recherche!).

Überhaupt, was für Brüste muss man denn haben, um sich schämen zu müssen? Selbst wenn man keine hat oder keine mehr hat, sollte man sich nicht schämen müssen. Na gut, eine Ausnahme: wenn die Brüste von einem wütenden Satanisten verflucht werden und daraufhin ein mordlustiges Eigenleben entwickeln und Leute umbringen, dann darf man sich ein bisschen schämen (und das ist anscheinend so unglaublich abwegig, dass es nicht einmal einen Horrorfilm dazu gibt, wo es doch sogar Horrorfilme über böse Bongs, Tomaten und Pfefferkuchenmännchen gibt!).

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