Für Ronja reiten alle in die Scheiße

Ob Süddeutsche, FAZ oder Tagesspiegel, die Presse liebt ihren Shitstorm. Im Fall Ronja von Rönne etwa, die kürzlich – etwas verspätet – auf ihren Artikel „Als Frau ekelt der Feminismus mich an“ in dem sozialen Netzwerk Twitter für Furore sorgte, nachdem Tagesschau-Redakteurin und Vollzeitfeministin Anna-Mareike Krause schnippisch bemerkte, dass auch der Ring Nationaler Frauen großer Rönne-Fan ist.

Es folgte ein Shitstorm, der – kennt man die Varianten, die nicht nur Anti-Feministinnen sondern auch und vor allem Feministinnen entgegenpusten – verhältnismäßig verhalten war. Bis dann doch jemand, der sich für reichlich witzig hielt, einen Text eines französischen Revoluzzer-Liedes postete, „Die Adeligen an die Laterne“. Schön ist das nicht (und keine Feministin hat bislang diesen Tweet gutgeheißen), der Tweet kam jedoch nicht von Krause, sondern vom “Antifa-Professor”, dessen Namen wir hier mal nicht nennen wollen, da es ihm sicher unangenehm wäre, als kopfloser Idiot bezeichnet zu werden. 

Den Medien reichte dies dennoch aus, um den Shitstorm einzuläuten – gegen Anna-Mareike Krause. Die „selbsternannte Netzpolizei“ (Die Süddeutsche) habe eine „virtuelle Menschenjagd“ (Meedia) veranstaltet, sie „spöttelt“ (Der Tagesspiegel) über Rönne. Die – so gleich mehrere (männliche) Autoren in ihren erbosten Artikeln – sei doch so ein perfektes Feindbild für Feminist/innen, da sie ja ein „hübsches Ex-Model“ (Tagesspiegel) sei und das „eher nicht für Dove“ (Süddeutsche). „Hass-Kolone“ (Tagesspiegel) und „Dampfwalze“ (Süddeutsche) werden die Shitstormer gegen Rönne genannt. Krause würde zudem  „diese, den eigentlichen Sachverhalt grob entstellende Aussage“ machen, indem sie Rönne direkt „in den Kontext des Rechtsradikalismus gestellt und im Internet öffentlich“ vorführt (FAZ). Das sehen eigentlich alle Krause-Kritiker so, wenn man hier mal grob zusammenfassen darf.

Und die Shitstormer gegen die – bis auf den Pöbel-Tweet – großteils angebrachte Kritik der Feminist/innen? Die werden kaum im Nebensatz erwähnt, natürlich, denn die schreiben ja die Artikel, in denen vom Shitstorm geredet wird. So reiten sie sämtlich in die Scheiße für Ronja, der alle geneigten Autoren gut zusprechen und sogar bewundernd darüber raunen, wie gelassen sie mit der Sache umgeht.

Doch wenn man Krauses Tweet und ihre Folgetweets so gnädig interpretieren würde, wie es beispielsweise Feuilleton-Chef der Welt, Andreas Rosenfelder, von den Kritikern Rönnes zu deren Texten verlangt (so seien viele Feministinnen, die kritisiert hätten, jene, „die sich mit dem Lesen keine große Mühe machten“), so hätte man sicher gesehen, dass es Krause nicht darum ging, Rönne Rechtsradikalismus vorzuwerfen, sondern lediglich eine Reflektion, ein Nachdenken zu motivieren, über die Konsequenzen einer Polemik ohne fachliche Grundlagen oder Argumentationsstärke. Denn Rönnes Reaktionen auf ihre Artikel sind zwar fast versöhnlich, aber – und da gibt uns selbst Rosenfelder Recht: „Das heißt übrigens keineswegs, dass alles gar nicht so gemeint ist.“ Wenn es eben so gemeint ist – der eklige Feminismus, die beneidenswerten Depressiven, die dreisten Homosexuellen, die gleich auf Shitstorm machen, wenn mal im Ratgeber gesagt wird, Blumenmädchen für eine schwule Hochzeit sei dann doch zuviel von einem Kind verlangt – dann darf man doch auch sagen, „Hey, das sehen andere auch so, aber das sind vielleicht politische Gruppierungen, mit denen Du eigentlich nicht in einen Topf geworfen werden willst, oder?”

Lesenswert zu diesem Thema:

Svenja Gräfen: http://svenjagraefen.de/alle-aufregung-ist-gross-aber-welche-ist-am-groessten/

Feminismus im Pott: http://feminismus-im-pott.de/willkommen-im-kreis-der-shitstormrisikogruppe/

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